Europawahl 2024 - Ergebnisse

Seit der letzten Europawahl im Jahr 2019 haben sich die Rahmenbedingungen in Europa grundlegend verändert. Europa befindet sich seit Jahren im Krisenmodus, die Herausforderungen rund um das Thema Migration und Asyl stehen schon lange auf der Agenda. Hinzu kam die Bewältigung der Coronapandemie samt ihren Folgen sowie schließlich der Krieg in der Ukraine. Ganz zu schweigen von der globalen Herausforderung um den Klimawandel.

Bei der Europawahl 2024 waren knapp 370 Millionen Bürgerinnen und Bürger in den 27 Mitgliedsländern aufgerufen, mit ihrer Stimme über den künftigen Kurs der Europäischen Union mitzuentscheiden. In Deutschland durften Jugendliche erstmals schon ab 16 Jahren auf europäischer Ebene wählen, was den Kleinparteien mehr Chancen einräumte. Insgesamt 15.000 Kandidatinnen und Kandidaten aus 27 Mitgliedsländern, verteilt auf 600 verschiedene Parteilisten der rund 210 Parteien, traten bei dieser Wahl an, die damit zu den größten der Welt zählt.

Der Europawahlkampf lief in Deutschland relativ spät an und fand erst im Mai spürbar statt. Erstarkende euroskeptische, nationalistische und zum Teil offen rechtsextreme Parteien versuchen, die Parteienlandschaft der Mitte zu durchkreuzen. Eine neue Dynamik im Linksaußenlager kam ferner durch die noch junge Partei „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) zum Vorschein. Wagenknecht hatte sich im vergangenen Herbst von der Partei „Die Linke“ abgespaltet. Das BSW präsentiert sich in Abgrenzung zur Partei „Die Linke“ vor allem mit einer in Gesellschaftsfragen stärker konservativen Haltung, etwa im Hinblick auf das Thema Migration. Damit spricht das BSW auch ein eigentlich der AfD zugeneigtes Wählerklientel an.

Abgeordnete im EU-Parlament

Deutschland als bevölkerungsreichstem EU-Mitgliedstaat werden mit 96 MdEPs (Mitglieder des Europäischen Parlaments) die meisten Mandate zugewiesen. Welche Abgeordnete aus Deutschland wurden in das neue Europaparlament gewählt? Wie viele und welche Mitglieder stammen aus welchem Bundesland? Und wie sieht die Zusammensetzung des Parlaments insgesamt aus? Wie viele Abgeordnete stellen die jeweiligen EU-Staaten?

Abgeordnete

Fraktionen am rechten Rand

Im Europäischen Parlament gibt es derzeit zwei Fraktionen, die dem rechtspopulitischen bis rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen sind: die „Europäischen Konservativen und Reformer" (EKR/ECR) und die Fraktion „Identität & Demokratie" (ID). Beide Fraktionen haben bei der Europawahl 2024 Sitzen hinzugewonnen. Somit werden die Rechtsaußenparteien das Zentrum des künftigen Europäischen Parlaments weiter nach rechts verschieben. Für welche Positionen stehen die beiden Fraktionen? Warum überhaupt gibt es zwei Fraktionen am äußeren rechten Rand und nicht eine?

Rechtsaußen-Fraktionen im EU-Parlament

Porträts: Parteien am rechten Rand

In immer mehr EU-Mitgliedstaaten gelingt es rechtspopulistischen oder rechtsextremen Parteien, sich an der Regierung zu beteiligen. In Frankreich kam es zu anhaltenden Unruhen, die die Debatte nach rechts verschoben. In Deutschland befindet sich die AfD (zumindest in Umfragen) im Aufwind. In manchen EU-Staaten gingen rechtspopulistsiche Parteien als stärkste Kraft aus der Europawahl hervor. Welche Parteien sind dem Spektrum rechts der Mitte zuzuordnen? Wie haben sie bei der Europawahl 2024 abgeschnitten? Eine Aufstellung der einzelnen Parteien mit jeweiligem Kurzporträt:

Rechtsaußen-Parteien in Europa

So hat Deutschland gewählt

Deutschland hat gewählt, die Gewinner und Verlierer der Europwahl stehen fest. Auf Seiten der Union gab es viele strahlende Gesichter, gingen sie doch unangefochten als Sieger aus der Wahl hervor. Auch die AfD konnte, trotz einiger Affären in den vergangenen Monaten, relativ viele Wähler:innen für sich gewinnen, insbesondere in Ostdeutschland und bei jungen Menschen. Das neue "Bündnis Sahra Wagenknecht" zählt auch zu den Gewinnern dieser Wahl und kann gleich mit mehreren Abgeordneten ins Europaparlamkent ziehen. Bei den Grünen und Linken, aber auch den Sozialdemokraten und den Liberalen war die Stimmung eher gedrückt und es gab wenig Anlass zur Euphorie. Stehen doch im Herbst in einigen ostdeutschen Bundesländern die Landtagswahlen an und im kommenden Jahr die Bundestagswahl, bei denen die Europawahlverlierer gerne wieder mehr punkten würden.

CDU und CSU kamen zusammen auf 30,0 Prozent und erzielten somit ein ähnliches Ergebnis wie bei der Europawahl 2019. Sie liegen mit deutlichem Abstand auf Platz eins.

Das Rennen um Platz zwei war in den Umfragen der Wochen vor der Wahl lange offen. Wie die Hochrechnungen ergeben, liegt die AfD mit 15,9 Prozent (+4,9 Prozentpunkte) auf dem zweiten Platz. Danach folgt die SPD mit 13,9 Prozent (- 1,9 Prozentpunkte), gefolgt von den Grünen mit 11,9 Prozent (- 8,5 Prozentpunkte). Für die Grünen bedeutet dies einen deutlichen Verlust, die SPD musste ein noch schlechteres Ergebnis hinnehmen wie bei der letzten Wahl, und die AfD konnte im Vergleich zur vergangenen Europawahl 4,9  Punkte zulegen, war aber in den vergangenen Monaten von über 20 Prozent abgefallen.

Die FDP musste mit den erzielten 5,2 Prozent leichte Abstriche in Kauf nehmen (- 0,2 Prozentpunkte). Die Linke hingegen musste deutlich Federn lassen und kommt nur noch auch 2,7 Prozent (- 2,8 Prozentpunkte) Die sich von der Linken abgespaltene neue Partei „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) erzielte aus dem Stand heraus 6,2 Prozent. Auf die sonstigen kleinen Parteien entfielen zusammen 11,3 Prozent

Die die Freien Wähler erzielten  2,7 Prozent, die proeuropäische Partei Volt kam auf 2,6 Prozent, Die Satire-Partei PARTEI erzielte 1,9 Prozent, die Tierschutzpartei erzielte 1,4 Prozent, die ÖDP 0,6  Prozent, die Familienpartei ebenfalls 0,6 Prozent, ebenso erhielt die PdF 0,6 Prozent.. Da bei der diesjährigen Europawahl keine Sperrklausel greift, haben Parteien bis zu einem ungefähren Stimmanteil von 0,6 Prozent den Einzug in das Europäische Parlament geschafft. Die Zugangshürden für kleine Parteien sind je nach EU-Mitgliedstaat unterschiedlich hoch.

Die im Laufe des Wahlabends erstellten Hochrechnungen beruhen auf Befragungen, die am Wahltag stattfanden. Nach dem Urnengang wurden an zufällig ausgewählten Wahllokalen zufällig ausgewählte Wählerinnen und Wähler von Umfrageinstituten gefragt, welche Partei sie gewählt haben. Zudem wurden auch andere Eigenschaften der Personen wie Alter, Geschlecht, Berufsbildung und Wahlverhalten bei der letzten Wahl abgefragt. So konnte beispielsweise analysiert werden, welche Wählerwanderungen stattgefunden haben, wie die Altersgruppen wählten oder welche Bevölkerungsschichten besonders häufig für eine bestimmte Partei gestimmt haben.

Wahlergebnisse:

Bundeswahlleiterin: Ergebnisse der Europawahl 2024 

Europäisches Parlament: Europawahl 2024: Ergebnisse für alle EU-Staaten.

Stimmen zur Wahl

„Dieses Ergebnis muss der Bundesregierung zu denken geben. Es braucht einen Politikwechsel in Deutschland."
CDU-Chef Friedrich Merz

"Diese Regierung ist im Grunde genommen fertig. Und es muss jetzt ähnlich wie in Frankreich sein: Da hat es Neuwahlforderungen gegeben, da gibt es Neuwahlen durch Macron."
CSU-Chef Markus Söder

„Es gibt nichts schönzureden". „Dass Dinge anders werden müssen, ist glaube ich glasklar."
SPD-Chef Lars Klingbeil

„Wir haben ein Super-Ergebnis erzielt". „Also den zweiten Platz, den geben wir heute nicht mehr her."
AfD-Chef Tino Chrupalla

„Wir sind bereit für proeuropäische demokratische Mehrheiten"
Spitzenkandidatin der Grünen, Terry Reintke

„Das Ergebnis ist ein starkes Signal der Stabilisierung, das wir auch politisch nutzen wollen"
FDP-Chef Christian Lindner

Das ist kein gutes Ergebnis und damit natürlich auch ein bitterer Abend für uns"
Co-Vorsitzender der Partei Die Linke Martin Schirdewan

„Ich glaube, dass die meisten Menschen mit den Chiffren 'links' und 'rechts' nicht mehr so viel anfangen können".
„Wir sind eine seriöse Alternative"

BSW-Chefin Sahra Wagenknecht

 

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Ergebnisse nach Bundesländern

CDU/CSU AfD SPD Grüne BSW FDP Linke FW Volt Andere
Deutschland gesamt 30,0 15,9 13,9 11,9 6,2 5,2 2,7 2,7 2,6 8,9
Baden-Württemberg 32,0 14,7 11,6 13,8 4,5 6,8 1,9 3,8 2,5 8,4
Bayern 39,7 12,6 8,9 11,8 3,8 3,9 1,4 6,8 2,4 8,7
Berlin 17,6 11,6 13,2 19,6 8,7 4,3 7,3 0,5 4,8 12,4
Brandenburg 18,4 27,5 13,1 6,0 13,8 3,2 4,4 2,1 1,6 9,9
Bremen 19,8 10,2 21,5 16,2 5,6 5,3 5,8 0,5 4,7 10,4
Hamburg 18,4 8,0 18,7 21,2 4,9 7,0 5,1 0,5 6,0 10,2
Hessen 30,0 13,6 16,4 12,9 4,4 6,3 2,5 2,0 3,3 8,6
Mecklenburg-Vorpommern 21,5 28,3 10,3 4,8 16,4 2,6 4,9 1,0 1,3 8,9
Niedersachsen 31,4 13,2 19,5 12,2 4,5 5,3 2,1 1,2 2,2 8,4
Nordrhein-Westfalen 31,2 12,6 17,2 13,5 4,4 6,3 2,1 0,7 2,9 9,1
Rheinland-Pfalz 30,7 14,7 17,5 9,3 4,7 5,9 1,7 5,2 2,2 8,1
Saarland 29,3 15,7 20,5 6,6 7,9 4,7 2,0 1,6 1,7 10,0
Sachsen 21,8 31,8 6,9 5,9 12,6 2,4 4,9 2,4 1,8 9,5
Sachsen-Anhalt 22,8 30,5 8,7 3,9 15,0 2,5 4,8 1,5 1,3 9,0
Schleswig-Holstein 30,2 12,2 16,7 15,4 4,1 6,3 2,3 1,2 2,5 9,1
Thüringen 23,2 30,7 8,2 4,2 15,0 2,0 5,7 1,8 1,3 7,9

Wahlanalyse - ein Blick auf die Parteien

CDU/CSU

Wenngleich die Parteien am rechten und linken Rand in Deutschland bei dieser Europawahl Aufwind erfuhren, hält sich die Union aus CDU und CSU weiter stabil.

Die Union konnte optimistisch in diese Europawahl gehen, lag sie doch im Umfragen der vergangenen Monate stets mit knapp 30 Prozent der Wählerstimmen stabil und mit deutlichem Abstand vorne. Diesen Wert hat sie auch eingefahren. Die Union erreichte mit 30,0 Prozent in etwa dasselbe Ergebnis wie bei der vergangenen Europawahl im Jahr 2019.

Die Union hatte in diesem Wahlkampf gute Bedingungen: Die politischen Gegner aus der regierenden Ampelkoalition waren geschwächt, und aus der Opposition heraus lässt sich leichter Wahlkampf führen als aus der Regierungsverantwortung heraus.

Iin ihrem Wahlprogramm hat dei Union mit diesen Begriffen geworben: Sicherheit, Frieden, Wohlstand. Ein großer Teil der Wählerschaft baut offensichtlich in Zeiten der Unsicherheit auf diese Werte und sehnt sich nach Altbewährtem. Genau diese postulierten Werte sieht die Union gefährdet durch Populisten und Extremisten, aber auch durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine.

AfD

Umfragen, Skandale, Gerichtsurteile: Für die Alternative für Deutschland (AfD) lief es im Vorfeld der Europawahl nicht gut. Bereits seit Wochen war die in Teilen rechtsextreme Partei immer tiefer in die selbstverschuldete Krise gestürzt.

Insbesondere die Debatte um das „Remigrations-Projekt“ hatte seit Monaten zu einem Rückgang in Umfragen geführt. Lag die AfD in Umfragen sowohl zur Bundestagswahl als auch zur Europawahl Anfang des Jahres noch bei über 20 Prozent, hatten sie sich in Europawahlumfragen nun bei rund 14 bis 15 Prozent eingependelt. Tatsächlich konnte die Partei noch ein wenig zulegen und landete mit 15,9 Prozent auf Platz zwei.

Das Auftreten und die Äußerungen ihres umstrittenen Spitzenkandidaten Maximilian Krah waren nicht schadlos an der AfD vorbeigegangen, was die Partei schließlich dazu veranlasste, sich von Krah zu distanzieren und ihm Wahlkampfauftritte zu verbieten.

Zudem hatte das bereits zuvor angespannte Verhältnis mit der französischen Schwesterpartei Rassemblement National (RN) zu einem Bruch geführt. Krahs relativierenden Äußerungen zur Waffen-SS führten dazu, dass die RN drei Wochen vor den Europawahlen offiziell die Zusammenarbeit mit der AfD aufkündigte. Die AfD wurde daraufhin aus der Fraktion ID ausgeschlossen. All dies führte dazu, dass die AfD sich bei dieser Europawahl mit einem bescheideneren Ergebnis zufrieden geben muss als noch zu Beginn des Jahres erwartet.

Was den Wahlkampf thematisch anbelangt, stellte sich die AfD mit ihrer Strategie als Gegenstimme der aktuellen Regierungspolitik dar. Für die Partei spielen neben der Bundesebene vor allem die anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland eine große Rolle. Hier werden ihr hohe Gewinne prognostiziert. Auch bei der Europawahl zeigte sich nun, wie stark die AfD im Osten Deutschlands punkten kann.Sie wurde in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg jeweils stärkste Kraft.

Ferner stellt sich die Frage, wie sich die AfD künftig im Fraktionengefüge des Europäischen Parlaments verorten wird. Nach ihrem Ausschluss aus der Fraktion Identität und Demokratie (ID) könnte sie eine neue EU-Parlamentsfamilie brauchen, gemeinsam mit weiteren rechten Parteien. Allerdings schloss die AfD im Anschluss an die Wahl Spitzenkandidat Krah aus ihrer Delegation aus, um mit dem französischen RN erneut über eine gemeinsame Fraktion verhandeln zu können.

SPD

Die SPD hat neben ihren bewährten sozialen Themen eine Brandmauer gegen rechts als Wahlkampfthema ins Rampenlicht gerückt. So positionierte sich die Partei im Europawahlkampf klar gegen Rechtsextremismus. Prominent im Wahlprogramm der SPD mit dem Titel „Gemeinsam für ein starkes Europa“ formulierte die Partei die große Bedeutung eines sozialen Europa sowie die wirtschaftliche Resilienz.

Doch wie auch in Sonntagsfragen zur Bundestagswahl konnte die SPD auch in jenen zur Europawahl im Vergleich zur Union nur mit rund halb so viel Prozent punkten. Es gelang der Partei nicht, eine größere Wählerschaft für sich zu begeistern. Sie kam nur auf 13,9 Prozent, ein Verlust von 1,9 Prozentpunkten im Vergleich zur vorangegangenen Europawahl.

In den Europawahlumfragen hatte sie gemeinsam mit den Grünen und der AfD in den vergangenen Wochen stets bei rund 14 bis 15 Prozent gelegen und das Rennen um Platz zwei ausgefochten.

Die Grünen

Bei der Europawahl 2019 konnten die Grünen noch ein Rekordergebnis einfahren. Sie erzielten damals 20,5 Prozent, deutlich mehr als die SPD und fast doppelt so viel wie die AfD. Bei dieser Europawahl mussten die Grünen nun deutliche Verluste hinnehmen.

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPD und der AfD in den Umfragen der vergangenen Wochen erzielten sie nun 11,9 Prozent und liegen nur noch auf Platz vier.

Wo liegen die Gründe für diesen Rückgang?
Wie kaum eine andere Partei haben die Grünen im Laufe der Jahre ihr Programm der Realität angepasst. Die Grünen von einst sind nicht mehr die Grünen von heute. Der Regierung fehlt das Geld, um die traditionell grünen Herzensangelegenheiten umzusetzen. Zudem wandelt sich die einstmals als bedingungslose für den Frieden einstehende Partei im Zuge des Krieges in der Ukraine zu einer Partei, die so laut wie kaum eine andere Waffen für die Ukraine fordert. Dies dürfte für manch eingefleischtem Grünen so nicht mehr passen. Hinzu kommt, dass das grüne Kernthema Klimaschutz im Wahlkampf 2024 eine geringere Rolle spielte als noch bei der vergangenen Wahl.

FDP

Die FDP, die bei der Europawahl 2019 auf 5,4 Prozent kam, konnte diesen Wert bei der Europawahl 2024 mit leichten Einbußen halten und kam auf 5,2 Prozent. Schon seit Wochen dümpelte die Partei in Umfragen unter der Fünfprozentmarke. Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag und bekannt in der breiten Bevölkerung, sollte der Partei Aufschwung bringen und das Ruder herumreißen.

Doch ausgerechnet mit dem derzeit heiklen Thema Waffenlieferungen an die Ukraine versuchte die FDP im Wahlkampf zu punkten − und stellte sich damit auch gegen die Regierung, an der ihre Partei selbst beteiligt ist. Um dies zu unterstreichen, ging die Partei mit dem Motto „Streitbar in Europa“ in den Wahlkampf. Spitzenkandidatin Strack-Zimmermann setzt sich unter anderem auch für eine gemeinsame europäische Armee ein.

Wichtigste Themen im Wahlprogramm waren neben der Steigerung der europäischen Verteidigungsfähigkeit und der Aufrechterhaltung eines freiheitlichen Europas die europäische Wettbewerbsfähigkeit.

Streitbar, polarisierend und schlagfertig, so gab sich die FDP mit ihrer Spitzenkandidatin im Wahlkampf. Vielleicht zu streitbar: Nur gut 5 Prozent der deutschen Wählerschaft ließ sich vom Auftreten der Liberalen überzeugen. Auch Strack-Zimmermanns Versuch, bei den jungen Wählerinnen und Wählern anzukommen, schien nicht wirklich aufzugehen. Sie hatte sich extra für den Wahlkampf einen TikTok-Account zugelegt.

Der derzeitigen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Strack-Zimmermann jedenfalls den Kampf angesagt: Europa brauche „mehr von der Freiheit und weniger von der Leyen“.

Die Linke

Die Linke ging im Krisenmodus in die Europawahl. Seitdem Sahra Wagenknecht im vergangenen Jahr die Partei verlassen und eine neue Partei gegründet hat, kämpft die Partei gegen ihren Bedeutungsverlust an. Der Linkspartei war klar, dass viele ihrer früheren Wählerinnen und Wähler zum BSW wechseln werden, wie auch die Umfragen im Vorfeld deutlich gemacht hatten. So erzielte die Linke bei dieser Europawahl nur 2,7 Prozent und damit weniger als die Hälfte dessen, was das BSW an Wähler:innen hinter sich vereinigen konnte.

Die Linken waren mit dem Spitzenduo Martin Schirdewan und Carola Rackete in den Wahlkampf gegangen. Gerechtigkeit geht #nurmitlinks, so das Motto der Partei. Es ging um die klassischen linken Themen:mehr soziale Gerechtigkeit, eine menschlichere Migrationspolitik, gegen Waffenlieferungen, für Frieden. Schirdewan warnte vor den „Lobby-Kumpels“ der Konservativen und den „Fascho-Kumpels“ der AfD.

BSW

Das erst im Herbst vergangenen Jahres neu gegründete „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) hat bei dieser Europawahl aus dem Stand heraus 6,2 Prozent  der Stimmen erhalten − mehr als die Partei Die Linke bei der vergangenen Europawahl erzielt hatte.

Worin unterschied sich das BSW im Wahlkampf von den Linken? Beim Thema Migration setzt sich das BSW für einen konservativen Kurs ein. So sollen Asyl- und Prüfverfahren zum Schutzstatus an den EU-Außengrenzen oder in Drittländern erfolgen, während die Linke in ihrem Programm fordert, dass Schutzsuchende „würdig“ empfangen und aufgenommen werden und der Asyl- und Migrationspakt ausgesetzt wird.

Was den Krieg in der Ukraine anbelangt, forderten sowohl das BSW als auch die Linke einen Waffenstillstand und eine komplette Einstellung der Waffenlieferungen an die Ukraine.
Das BSW möchte innerhalb des Europäischen Parlaments eine eigene Fraktion gründen. Unklar ist, was daraus für die bestehende Linksaußenfraktion GUE/NGL folgt. Man sei mit mehreren europäischen Parteien im Gespräch.

Den Linksaußenparteien geht es, wie auch dem Rechtsaußenlager, um eine Umgestaltung bzw. einen Rückbau der Gemeinschaftsinstitutionen. Nicht ein Austritt wird angestrebt, vielmehr soll die EU von innen umgestaltet werden. Auch die Linken übern massiv Kritik am Funktionieren der EU aus.

Auch kleine Parteien hatten gute Chancen auf einen Einzug ins Parlament

Da es bei der Europawahl keine Prozenthürde und auch sonst keine Sperrklausel gibt, haben somit auch kleine Parteien die Chance auf einen oder mehrere Sitze im Europäischen Parlament.  Bei der Wahl vor fünf Jahren zogen insgesamt 14 Parteien aus Deutschland ins EU-Parlament ein (0,7 Prozent der Stimmen reichten für einen Sitz). Auch bei dieser Europawahl schafften 14 Parteien den Einzug ins Parlament (0,6 Prozent der Stimmen reichten für einen Sitz).

Wählerinnen- und Wählerwanderungen

Woher gewann die Union Stimmen?

Bemerkenswert beim Wahlsieg der Union ist, dass sie laut einer Erhebung von Infratest Dimap im Auftrag der Tagesschau in nahezu allen Altersschichten Wählerinnen und Wähler hinzugewinnen konnte. Lediglich bei den Über-70-Jährigen, die ohnehin traditionsgemäß fast zur Hälfte CDU oder CSU wählen, verlor sie einen Prozentpunkt. Für die meisten CDU-/CSU-Wähler:innen war die Bundespolitik für ihre Wahlentscheidung maßgeblich, und hierbei profitierte die Union insbesondere von der verbreiteten Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der amtierenden Bundesregierung. So gewann die Union demnach mehr als zwei Millionen Stimmen von Menschen, die zuvor eine der Ampel-Parteien gewählt hatten. Auch Unions-Politiker sahen die Bundespolitik als Grund für das Wahlergebnis. So sagte CSU-Chef Markus Söder: „Die Ampel ist de facto von den Bürgerinnen und Bürgern abgewählt worden.“

Gleichzeitig verlor die Union auch mehr als eine halbe Million Stimmen an die AfD und eine Viertelmillion an das neu gegründete BSW. Die meisten Stimmen verlor die Union trotz gestiegener Wahlbeteiligung jedoch an das Lager der Nichtwählenden. Dennoch wogen die Zugewinne die Verluste mehr als auf, weshalb das Unions-Ergebnis von 30,0 Prozent sogar einen Zugewinn von 1,1 Prozentpunkten im Vergleich zur vorangegangenen Europawahl bedeutet.

Wohin verloren die Grünen Stimmen?

Die größten Wahlverlierer mit einem Minus von 8,5 Prozentpunkten im Vergleich zur vorangegangen Wahl sind die Grünen. Roberto Heinrich vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap resümierte nach der Wahl, viele einstige Grünen-Wähler seien bei dieser Europawahl gar nicht zum Wählen gegangen, andere wiederum hätten ihre Stimme anderene Parteien gegeben, insbesondere der Union. Lediglich von der SPD konnten die Grünen demnach rund 80.000 Stimmen dazugewinnen.

Auch einige jüngere Wählerinnen und Wählern – einst noch motiviert, in Sachen Klimaschutz auf die Straße zu gehen – hielten nach anderen Parteien Ausschau, auch bei Kleinstparteien. Besonders in der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen verloren die Grünen dramatisch 23 Prozentpunkte und rutschten von 34 ab auf nur noch 11 Prozent. Junge Menschen würden derzeit erdrückt von Krisen, analysiert die 26-Jährige Co-Chefin der Grünen Jugend, Svenja Appuhn, nach der Wahl: „Menschen machen sich Sorgen um ihren Job und ihre Zukunft und machen sich dann natürlich besonders große Sorgen, dass Klimaschutz ihr Leben teurer machen könnte oder sie den Job kosten könnte.“ Sie rät ihrer Partei deshalb, sich stärker um soziale Sicherheit zu kümmern. Die Grünen müssten Alltagssorgen wieder ernst nehmen.

Wohin verlor die SPD Stimmen?

Mit 13,9 Prozent der Stimmen erzielte die SPD bei der Europawahl 2024 ihr niedrigstes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl seit Gründung der Bundesrepublik. Als einzige größere Partei konnte sie dabei laut der Erhebung von Infratest Dimap netto keine Stimmen von anderen Parteien hinzugewinnen. Fast 2,5 Millionen und damit die allermeisten Stimmen verlor sie allerdings an das Lager der Nichtwählenden. Knapp 1,5 Millionen Stimmen verlor sie an die Union, und jeweils mehr als eine halbe Million Stimmen gingen an BSW und AfD. Auch die beiden anderen Ampel-Parteien FDP und Grüne erhielten noch Stimmen von der SPD. Die SPD verlor auch in allen Altersgruppen an Stimmen, mit Ausnahme der 16- bis 24-Jährigen. Das könnte allerdings auch mit dem Absenken des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre zu tun haben.

Nach der Wahl machte Generalsekretär Kevin Kühnert die Politik in der Ampelregierung als Ursache für das schlechte Abschneiden seiner Partei aus. Der linke Flügel der Partei forderte die SPD-Mitglieder der Bundesregierung auf, sich für ein Aussetzen der Schuldenbremse im Bund einzusetzen – auch wenn dies den Bruch der Koalition zur Folge habe. Der Thüringer Landeschef Georg Maier plädierte dafür, die soziale Schieflage in Deutschland und die Gerechtigkeitsfrage stärker in den Fokus zu rücken.

Woher gewann die AfD Stimmen?

Die AfD konnte mit insgesamt 15,9 Prozent der Stimmen ihr Ergebnis von 2019 um 4,9 Prozentpunkte steigern. In sämtlichen ostdeutschen Bundesländern – Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – erhielt sie die meisten Stimmen, zum Teil mit beträchtlichem Abstand auf die CDU. Bundesweit erhielt die AfD laut der Erhebung von Infratest dimap Stimmen von nahezu allen anderen Parteien – am wenigsten von den Grünen (50.000), am meisten von CDU und SPD (jeweils 570.000) und der FDP (430.000). Gleichzeitig verlor die AfD jedoch auch Stimmen an das neu gegründete BSW (160.000) und an die Gruppe der Nichtwählenden.

Für die AfD-Wählenden stand die Bundespolitik ganz klar im Vordergrund für ihre Wahlentscheidung, und dabei insbesondere das Thema Migration. Dass die Partei in Teilen als rechtsextrem eingestuft wird, spielte für die Wählenden dabei laut der Erhebung eine nachrangige Rolle, solange sie die aus Sicht der Wählenden richtigen Themen anspreche. Bemerkenswert war auch der Unterschied bei den Geschlechtern: 19 Prozent der Männer, aber nur 12 Prozent der Frauen stimmten für die AfD. Die AfD konnte bei allen Altersgruppen Stimmen gewinnen, insbesondere bei den 16- bis 24-Jährigen (+5 Prozentpunkte). Erstmals stimmte die Mehrheit der AfD-Wählenden aus Überzeugung für die Partei und nicht aus Ablehnung gegenüber den anderen Parteien.

Wie sah die Wählerinnen- und Wählerwanderung bei der FDP aus?

Die FDP konnte ihr Ergebnis (5,2 Prozent) bemerkenswert stabil halten im Vergleich zur vorangegangenen Europawahl. Dabei stimmten in absoluten Zahlen sogar über 30.000 Menschen mehr für die Partei als 2019, allerdings stieg auch die Wahlbeteiligung insgesamt, sodass die FDP im Ergebnis doch 0,2 Prozentpunkte verlor. Die FDP war auch in allen Altersgruppen ähnlich stark vertreten. Sie verlor zwar insbesondere an die Union und an die Gruppe der Nichtwählenden zahlreiche Stimmen, konnte jedoch auch Stimmen von SPD und Grünen gewinnen, mit denen die FDP im Bund regiert und die beide deutliche Stimmverluste hinnehmen mussten. Nach Ansicht von Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann waren die Themen Wirtschaftswende, Migration und Sicherheit für das relativ gute Abschneiden der Partei verantwortlich.

Wohin verloren die Linken Stimmen?

Auch die Linken haben bei dieser Wahl die Hälfte Ihrer Wählerschaft verloren und müssen sich mit den erzielten 2,7 Prozent unter kleineren Parteien wie den Freien Wählern und der Volt einreihen, die ähnlich viele Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen konnte. Der größte Teil der einstigen linken Wählerschaft ging, wie erwartet, an das neue BSW. Aber viele weitere frühere Linken-Wählerinnen und -Wähler gehören nun zur Gruppe der Nichtwählenden. Zudem haben die Linken auch einige Wählerinnen und Wähler an den rechten Rand, an die AfD verloren.

„Wovon wir einfach wegmüssen, ist immer dieses Horrorszenario aufzuzeigen: ‚Wenn dies und das nicht passiert, werden wir alle in Armut leben‘. Vielmehr müsse die Partei bestimmmte Lösungen anbieten und diese dann deutlich hervorstellen, so die Kreisvorsitzende in Frankfurt (Oder), Anja Kreisel, auf der Suche nach Erklärungen für das Debakel. Gerade auch in den ostdeutschen Bundesländern, in denen einst die Linke noch relativ gut punkten konnte, ist bei dieser Wahl ein großer Rückgang zu verzeichnen.

Woher gewann das BSW Stimmen?

Da das erst im Jahr 2024 gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erstmals bei einer Europawahl antrat, konnte es naturgemäß nur an Stimmen hinzugewinnen. Am meisten trugen nach der Erhebung von Infratest dimap frühere SPD- und Linken-Wähler:innen zum Wahlergebnis von 6,2 Prozent bei. Allerdings zog das BSW auch Stimmen von den anderen großen Parteien ab – und immerhin 140.000 frühere Nichtwähler:innen stimmten ebenfalls für die neue Partei. Bemerkenswert war, dass das BSW in sämtlichen ostdeutschen Bundesländern auf Platz 3 hinter AfD und CDU landete. Sahra Wagenknecht sagte nach der Wahl, sie habe im aktuellen Kurs der Linkspartei kein ausreichendes Wählerpotenzial mehr gesehen.

 

Weitere Informationen:

Tagesschau: Wie die Wähler wanderten

Tagesspiegel: Woher AfD und BSW ihre Stimmen bekamen

  • CDU: 23 Sitze
  • CSU: 6 Sitze
  • AfD: 15 Sitze
  • SPD: 14 Sitze
  • Grüne: 12 Sitze
  • BSW: 6 Sitze
  • FDP:: 5 Sitze
  • Linke: 3 Sitze

Die in der Grafik unter „Andere“ aufgeführten zwölf Sitze teilen sich im künftigen Europaparlament auf die folgenden Parteien auf:

  • Volt: 3 Sitze
  • Freie Wähler: 3 Sitze
  • Die PARTEI: 2 Sitze
  • Tierschutzpartei: 1 Sitz
  • Familie: 1 Sitz
  • ÖDP: 1 Sitz
  • PdF: 1 Sitz

Wahlbeteiligung in Deutschland

In Deutschland lag die Wahlbeteiligung bei Europawahl 2014 noch bei nur 48,1 Prozent. Bei der Europawahl 2019 gab es einen relativ großen Sprung auf 61,4 Prozent. Bei der Europawahl 2024 ist die Wahlbeteiligung in Deutschland weiter angestiegen auf 64,8 Prozent.

Europaweit betrachtet lag die Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2019 bei 50,6 Prozent. Bei der Europawahl 2024 stieg sie leicht an auf 51,0 Prozent.

Wahlverhalten nach Alter

So haben junge Menschen gewählt

Erstmals wurde das Wahlalter für die Europawahl 2024 von 18 Jahren auf 16 Jahre gesenkt. Dies hatte der Bundestag im Jahr 2022 gegen die Stimmen von Union und AfD beschlossen. Als Grund für die Absenkung nannte die Regierungskoalition, dass gerade junge Menschen von den im EU-Parlament getroffenen Entscheidungen besonders betroffen seien, etwa bei den Themen Klimaschutz oder soziale Absicherung. Daher sollten jüngere Menschen auch wählen dürfen. Außerdem habe sich die Altersverteilung verschoben – die Wählenden würden im Durchschnitt immer älter. Das niedrigere Wahlalter sollte das ausgleichen.

Beim Wahlergebnis bemerkenswert war, dass laut einer Erhebung des Instituts Infratest dimap für die Tagesschau die Unter-25-Jährigen hauptsächlich kleinere und Kleinstparteien wählten. 28 Prozent stimmten für eine solche Partei. So stimmten beispielsweise 7 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen für die pro-europäische Partei Volt, die im Gesamtergebnis auf 2,6 Prozent kam. Da bei Europawahlen keine Fünf-Prozent-Hürde gilt, reichen weniger Stimmen für ein Mandat im Parlament als etwa bei einer Bundestagswahl.

Die meisten Stimmen in der jungen Altersgruppe erhielt wie auch im Gesamtergebnis die Union, wenn auch ihr Anteil mit 17 Prozent deutlich niedriger war als altersübergreifend (30,0 Prozent). Die Union gewann in dieser Altersgruppe jedoch 5 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2019. Auf Platz zwei kam ebenfalls die AfD mit 16 Prozent (Gesamtergebnis: 15,9 Prozent).

Auch in dieser Altersgruppe verloren die Grünen laut der Erhebung am meisten Stimmen – sie erhielten nur 11 Prozent und damit sogar etwas weniger als im Gesamtergebnis (11,9 Prozent). Bei der Wahl 2019, als die Grünen insgesamt auf über 20 Prozent kamen, hatten noch 34 Prozent der Unter-25-Jährigen für die Grünen gestimmt. Der Anteil der Linken ist dagegen mit 6 Prozent in der jungen Altersgruppe mehr als doppelt so hoch wie über alle Altersgruppen hinweg betrachtet (2,7 Prozent).

Als Gründe für das Wahlverhalten junger Menschen bei der Europawahl 2024 werden häufig Frustration über die Arbeit der Bundesregierung und Zukunftsängste angesichts vieler globaler und lokaler Krisen genannt – hier sehen Forscher:innen die Gefahr, dass populistische Versprechen vermeintlich einfache Lösungen präsentieren. Zudem gilt das soziale Medium TikTok, in dem Jugendliche viel Zeit verbringen und in dem die AfD und andere rechte Parteien sehr stark vertreten sind, als weiterer Grund.

Zum Weiterlesen:

Juniorwahl zur Europawahl 2024

CDU/CSU: 20,9 %
SPD: 14,7 %  
AfD: 14,5 %
Grüne: 8,6 %
FDP: 6,5 %
Linke: 5,6 %
Die Partei: 4,9 %
Volt: 4,2 %
BSW: 3,3 %
Sonstige: 13,8%

Die Juniorwahl ist ein handlungsorientiertes Konzept zur politischen Bildung an weiterführenden Schulen und möchte das Erleben und Erlernen von Demokratie ermöglichen.Die Juniorwahlen werden im Rahmen von Landtags-, Bundestags- und Europawahlen durchgeführt.

Das didaktische Konzept der Juniorwahl basiert auf zwei Säulen basiert: Die erste Säule umfasst die unterrichtliche Vorbereitung, die die Lehrkräfte selbst in ihren Klassen durchführen. Dafür werden entsprechende Materialien zur Verfügugn gestellt. Die zweite Säule und Höhepunkt stellt der Wahlakt dar. Organisiert wird er mit Unterstützung der Lehrkräfte von den Schülerinnen und Schülern selbst. Sie bilden einen Wahlvorstand, führen ein Wählerverzeichnis und erhalten Wahlbenachrichtigungen und Wahlkabinen und -urnen. Ihre Stimme können sie dann bei einer klassischen, realitätsgetreuen Wahl abgeben. Zur Wahl stehen diejenigen Politiker/-innen, die im Wahlkreis der Schule auch öffentlich kandidieren.

Bei der Juniorwahl zur Europawahl 2024 haben gut eine Million Schüler:innen ab Klassenstufe 7 ihre Stimme abgegeben. Ginge es nach ihnen hätte die Union aus CDU/CSU mit knapp 21 Prozent der Stimmen vorne gelegen. Auf Platz zwei und drei lägen die SPD und die AfD nahezu gleichauf mit jeweils gut 14 Prozent.

Weitere Informationen und die genauen Ergebnisse für alle Parteien

U18-Wahl zur Europawahl 2024

SPD: 19,7 %  
CDU/CSU: 19,4 %
Grüne: 13,8 %
AfD: 13,6 %
Linke: 6,8 %
Tierschutzpartei: 4,3 %
FDP: 4,1 %
Die Partei: 3,0 %
Volt: 2,5 %

Sechs Tage vor der Europawahl am 9. Juni fand die vom Deutschen Bundesjugendring initiierte U18-Wahl zur Europawahl statt. Knapp 60.000 Kinder und Jugendliche haben in rund 900 selbstorganisierten Wahllokalen ihre Stimme abgegeben. Diese Stimmen haben zwar für die eigentliche Europawahl keine Gültigkeit, die Ergebnisse der U18-Wahlen setzen jedoch stets ein Signal an die Politik und andere Generationen.

Ginge es nach den jungen Menschen der U18-Wahl hätten SPD und CDU/CSU nahezu gleichauf mit je knapp 20 Prozent der Stimmen vorne gelegen. Auf Platz drei und vier lägen die Grünen und die AfD nahe beieinander und kämen jeweils auf gut 13 Prozent.

Wie unterscheidet sich die U18-Wahl von der Juniorwahl? Mitmachen können bei der U18-Wahl alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die es möchten. Es gibt also keine Altersbeschränkung nach unten. Somit nimmt an der U18-Wahl auch stets ein Anteil an jüngeren Kindern teil. Bei den Juniorwahlen machen hingegen tendenziell etwas ältere Kinder und Jugendliche mit, sie ist für alle Klassen ab der Jahrgangsstufe 7 bis zum Abitur geeignet.

Weitere Informationen und die genauen Ergebnisse für alle Parteien

 

So hat Baden-Württemberg gewählt

Auch in Baden-Württemberg geht nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis die CDU mit 32,0 Prozent (+ 1,2) als stärkste Kraft hervor. Die AfD landete auch in BW auf Platz zwei und erhielt 14,7 Prozent der Stimmen (+ 4,7). Die Grünen kommen auf 13,8 Prozent (- 9,5), die SPD auf 11,6 Prozent (- 1,7), die FDP auf 6,8 Prozent (unverändert), das BSW erreicht 4,5 Prozent. 14,7 Prozent der Stimmen entfallen auf andere Parteien und Wählervereinigungen.

Die genauen Ergebnisse und Analysen für Baden-Württemberg

So hat Europa gewählt

Laut den vorläufigen amtlichen Endergebnissen hat die Europäische Volkspartei (EVP) mit der deutschen Spitzenkandidatin Ursula von der Leyen die Wahl deutlich gewonnen. Das Bündnis kommt demnach auf 188 Sitze im Europaparlament. Zweitstärkstes Lager bleiben die Sozialdemokraten (S&D), die auf 136 Sitze kommen. Danach folgt die neu gegründete Fraktion„Patrioten für Europa” (darin versammeln sich unter anderem Parteien, die ehemals der Fraktion Identität und Demokratie angehörten) mit 84 Sitzen, gefolgt von den Europäischen Konservativen und Reformern (EKR) mit 78 Sitzen. Die Liberalen (Renew Europe) rutschen auf 77 Sitze ab. Die europäsichen Grünen müssen größere Verluste hinnehmen und kommen nur noch auf 53 Sitze. Die europäischen Linken kommen auf 46 Sitze. Die von der AfD neu gegründete Fraktion „Europa Souveräner Nationen” hat 25 Sitze inne.

Ein erster Eindruck nach der Europawahl: Rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien gewinnen europaweit hinzu, linke und grüne Partein verlieren an Stimmen. Doch die Entwicklungen in den einzelnen EU-Staaten sehen zum Teil recht unterschiedlich aus. Es lohnt ein Blick auf einzelne Länder:

Ergebnisse und Analysen in den EU-Staaten

 

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