Tschechien
Eine kleine Landeskunde - kurz gefasst

Tschechien liegt im östlichen Mitteleuropa. Ehemals Teil der Tschechoslowakei, ist das Land seit 1993 eigenständig. Nach der friedlichen Auflösung entstanden zwei unabhängige Staaten: die Tschechische Republik und die Slowakische Republik. Das im Vergleich zu Deutschland flächenmäßig nur knapp ein Viertel so große Land hat ungefähr 10 Millionen Einwohner.
Tschechien wird an seinen Grenzen von mehreren Mittelgebirgslandschaften geprägt, darunter das Erzgebirge, die Sudeten und das Elbsandsteingebirge. Der tschechische Teil des Elbsandsteingebirges ist als Böhmische Schweiz bekannt.
Prag, auf Tschechisch Praha genannt, ist die Hauptstadt Tschechiens. Bekannte Sehenswürdigkeiten der historisch bedeutenden Metropole Europas sind die Prager Burg, welche mitten in der Stadt auf einem Hügel thront, die astronomische Rathausuhr in der Altstadt sowie die im 14. Jahrhundert errichtete Karlsbrücke, welche zu den bekanntesten historischen Brücken Europas zählt. Zahlreiche weitere Brücken führen über die sich durch die Stadt schlängelnde Moldau, die in der weltberühmten Sinfonischen Dichtung „Die Moldau” verewigt wurde. Aufgrund der zahlreichen historischen Gebäude, Türme und Kirchen wird Prag auch als ‚Goldene Stadt‘ bezeichnet.
Das kulturelle Leben Prags wurde von tschechischen, deutschen und jüdischen Traditionen geprägt und brachte weltberühmte Schriftsteller wie Franz Kafka und Max Brod sowie bedeutende Komponisten wie Antonín Dvořák und Bedřich Smetana hervor. Auch Wolfgang Amadeus Mozart pflegte eine enge Verbindung zu Prag und feierte dort bedeutende Erfolge.
Weltbekannt ist Tschechien außerdem für seine traditionsreichen Kurorte, allen voran das westböhmische Bäderdreieck mit Karlsbad, Marienbad und Franzensbad. Diese Orte bieten spezialisierte Heilbehandlungen, Thermalquellen und Wellnessangebote, oft in historischem Ambiente, was sie besonders beliebt für Touristen macht.
Eishockey gehört zu den beliebtesten Sportarten in Tschechien. Die tschechische Nationalmannschaft ist in dieser Sportart schon mehrfach Weltmeister geworden. Ebenso wird in Tschechien viel und gerne Tennis gespielt. Die in der damaligen Tschechoslowakei geborenen Martina Navrátilová und Ivan Lendl zählen zu den erfolgreichsten Tennisspielern ihrer Generation. Auch die tschechische Fußballnationalmannschaft gehörte insbesondere in den 2000er-Jahren zu den erfolgreichen europäischen Nationalmannschaften. In der FIFA-Weltrangliste erreichte sie zeitweise Platz 2.
Tschechien ist eine parlamentarische Republik, unterteilt in 14 Regionen, und gehört seit 2004 zur Europäischen Union. Bis heute zahlt man allerdings nicht mit dem Euro, sondern mit der Tschechischen Krone. Seit 1999 ist das Land Mitglied der NATO.
Sämtliche Landeskunden zu EU-Staaten:
Steckbrief
Hauptstadt:
Prag
Fläche:
78.866 km²
Bevölkerungsdichte:
138 Einwohner pro km²
Bevölkerungsanzahl:
11 Mio.
Amtssprache:
Tschechisch
Währung:
Tschechische Krone
BIP pro Kopf:
31.000 Euro (2024)
Arbeitslosenquote:
2,9 % (2026)
Parlamentarische Republik:
Staatspräsident
Petr Pavel
Ministerpräsident:
Andrej Babiš
Demokratieindex:
Platz 23
In der Europäischen Union:
Mitglied seit:
1. Mai 2004
Abgeordnete im Europäischen Parlament:
21
Geschichte
Das Gebiet des heutigen Tschechiens war bereits in der Altsteinzeit besiedelt. In der Antike lebten dort zunächst keltische Stämme, insbesondere die Boier, von denen sich der lateinische Name „Bohemia“, und später die deutsche Bezeichnung „Böhmen“ ableitet. Um die Zeitenwende, genauer gesagt in den Jahren 9 bis 6 v. Chr., siedelten sich in der Region germanische Stämme wie die Markomannen und Quaden an. Im 6. Jahrhundert wanderten Slawen in das Gebiet ein.
Im 9. Jahrhundert gehörten große Teile des heutigen Tschechiens zum Großmährischen Reich. Nach dessen Zerfall entstand im 9. und 10. Jahrhundert das Fürstentum Böhmen. Böhmen wurde zunehmend Teil des Heiligen Römischen Reiches, behielt jedoch eine weitgehende politische Eigenständigkeit. Im Mittelalter entwickelten sich Prag und andere Städte zu wichtigen politischen und wirtschaftlichen Zentren. Deutsche Siedler ließen sich in vielen Städten und Bergbauregionen nieder. Im 14. Jahrhundert erlebte Böhmen unter Karl IV. eine Blütezeit. Prag wurde zur Residenzstadt des Kaisers und zu einem bedeutenden Zentrum von Politik, Handel und Wissenschaft. 1348 gründete Karl IV. die Karls-Universität, eine der ältesten Universitäten Europas.
Im 15. Jahrhundert führte die Bewegung um Jan Hus zu den Hussitenkriegen. Im 16. Jahrhundert fiel die böhmische Krone an die Habsburger. Böhmen und Mähren wurden damit Teil der Habsburgermonarchie. Nach dem Prager Fenstersturz von 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Nach der Niederlage der böhmischen Aufständischen wurde die habsburgische Herrschaft gefestigt und die politische Eigenständigkeit der böhmischen Länder eingeschränkt. Böhmen blieb jedoch eine bedeutende Region der Habsburgermonarchie.
Ende des 18. und im Verlauf des 19. Jahrhundert entwickelte sich in Böhmen und Mähren eine tschechische Nationalbewegung. 1848 kam es zum Prager Pfingstaufstand, welcher jedoch von den Habsburgern niedergeschlagen wurde. Dennoch stärkten die Tschechen ihre eigene Sprache und Kultur und forderten zunehmend politische Rechte innerhalb der Habsburgermonarchie.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie entstand 1918 die Tschechoslowakische Republik. Tschechien bildete dabei zusammen mit der Slowakei und weiteren Gebieten einen gemeinsamen demokratischen Staat. 1938 musste die Tschechoslowakei infolge des Münchner Abkommens das Sudetenland an Deutschland abtreten. 1939 besetzte das nationalsozialistische Deutschland die tschechischen Gebiete und errichtete das sogenannte Protektorat Böhmen und Mähren. Die Besatzungszeit war von Unterdrückung, Verfolgung und Widerstand geprägt. Besonders schwerwiegend war die systematische Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei wiederhergestellt. 1948 übernahm die Kommunistische Partei die Macht und errichtete einen sozialistischen Staat unter starkem Einfluss der Sowjetunion. 1968 führte der Versuch, das System im Rahmen des „Prager Frühlings“ zu reformieren, zum Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes. Danach wurde die politische und gesellschaftliche Liberalisierung weitgehend rückgängig gemacht.
Mit der Samtenen Revolution 1989 wurde die kommunistische Herrschaft friedlich beendet und die Demokratie eingeführt. 1993 wurde die Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten geteilt: die Tschechische Republik und die Slowakei.

Hymne
Kde domov můj?
1. Strophe
Kde domov můj?
Kde domov můj?
Voda hučí po lučinách,
Bory šumí po skalinách,
V sadě skví se jara květ,
Zemský ráj to na pohled;
A to je ta krásná země,
Země česká, domov můj,
Země česká, domov můj!
Übersetzung:
Wo ist meine Heimat?
1. Strophe
Wo ist meine Heimat?
Wo ist meine Heimat?
Wo im Tal die Wasser schäumen,
Föhren hoch den Fels umsäumen,
Wo der Lenz an Blüten reich;
Einem Paradiese gleich
Ist das schöne Land der Böhmen,
Böhmen ist mein Heimatland,
Böhmen ist mein Heimatland!
Weitere Informationen zur Entstehung:
BpB: Die EU-Mitgliedstaaten und ihre Nationalhymnen
Nationalhymne zum Anhören
Auf Tschechisch
| Deutsch | Slowakisch |
|---|---|
| Guten Tag | Dobry den |
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| Herzlich Willkommen | Vitejte |
| Ich komme aus Deutschland | Jsem z Nemecka |
| Ich heiße ... | Jmenuji se... |
| Vielen Dank | Dekuji |
| Auf Wiedersehen | Na shledanou |
Linksammlung
Quellen & weitere Infos
- Europäische Union: Tschechien
- Auswärtiges Amt: Tschechien
- BpB Politiklexikon: Tschechien
- Hanisauland: Tschechien
- SWR Kindernetz: Tschechien
- Kinderweltreise: Tschechien
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Europäische Union
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