Wirtschaft

Euro auf einem Tisch. Foto: Photo by Viktor Hanacek, picjumbo.com.
Symbolbild Geld. Foto: Photo by Viktor Hanacek, picjumbo.com.

 

 

Was steht in den Wahlprogrammen zum Euro und zur Wirtschaft in der EU?

Wirtschaft und Finanzen

CDU und CSU sehen in Europa den Garant für wirtschaftlichem Aufschwung und Wohlstand. Auch in Zukunft wollen sie einen fairen und freien Handel unterstützen und den Freihandel und die Globalisierung für neue Arbeitsplätze nutzen. Die Mittel dafür: Geringere Abgaben, weniger Bürokratie und gezielte Unterstützung in der Forschung und Entwicklung. Einen europäischen Finanzminister lehnen die Parteien ab. Stattdessen fordern sie von den Mitgliedsstaaten Eigenständigkeit und Eigenverantwortung im Bereich der Haushalts- und Finanzpolitik und sprechen sich für die politische Unabhängigkeit der europäischen Zentralbank aus. Mit einer gemeinsamen Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage sollen alle Unternehmen in Europa möglichst nach gleichen Regeln besteuert werden. Darüber hinaus wollen CDU und CSU einen europäischen Währungsfonds schaffen. Dieser soll Europas Finanzstabilität sichern.

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Wirtschaft und Finanzen

Die Gestaltung der wirtschaftlichen Zukunft Europas darf nicht im Silicon Valley stattfinden, sondern in Europa. Unter diesem Ansatz möchte sich die SPD für ein handlungsfähiges Europa mit aktiver Wirtschaftspolitik einsetzen.

Europa soll als Vorbild für freien und fairen Handel stehen und „global eine tragende Rolle“ übernehmen. Ein konkreter Handlungspunkt ist die Einrichtung einer Wirtschaftsregierung für den Euro-Raum unter Führung eines europäischen Wirtschafts- und Finanzministers, der dem Legitimitätszuspruch und der Kontrolle des europäischen Parlaments unterliegt.

In Europa soll eine gemeinsame konsolidierte Bemessungsgrundlage für die Erhebung der Körperschaftsteuer bei den Unternehmen europaweit eingeführt werden. Der Steuerwettbewerb nach unten soll unterbunden werden. Ein Mindeststeuersatz soll dafür sorgen, „dass alle einen fairen Beitrag zur Finanzierung der Staatsaufgaben leisten“. Der Problematik des Steuerdumpings und der Steuerkriminalität möchte die SPD mit verschiedenen Ansätzen entgegenwirken. Die digitale Wirtschaft soll gerecht besteuert werden. Bis Ende 2020 soll eine globale Mindestbesteuerung der digitalen Unternehmen eingeführt werden. Die Beihilfe zur Steuerhinterziehung und zum Steuerbetrug durch Banken und Beratungsagenturen soll nach Auffassung der SPD konsequenter verfolgt werden.

Zudem kündigt die Partei einen an dem Marshallplan orientierten Pakt zur Entwicklung der Industrie in wirtschaftlich schwachen Gebieten an. Außerdem fordert die SPD ein gemeinsames Budget der Euro-Länder, um mehr Investitionen zu gewährleisten. Dafür ist die SPD bereit, die Beiträge Deutschlands zum EU-Haushalt zu erhöhen. Die Partei erhofft sich dadurch primär eine Produktivitätssteigerung und mehr Wettbewerbsfähigkeit der EU.

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Wirtschaft und Finanzen:

Die EU soll einen leistungsfähigen Haushalt für gemeinsame Aufgaben haben. Das bedeutet für sie, starke eigene Einnahmen für eine handlungsfähige Union. Der Finanzsektor und die digitale Wirtschaft sollen bei der Finanzierung öffentlicher Aufgaben beteiligt werden. Die Grünen wollen die Finanztransaktionssteuer einführen. Steuerbetrug, Steuerdumping und Geldwäsche will die Partei den Kampf ansagen. Es soll eine gemeinsame europäische Unternehmensmindestbesteuerung geben. Außerdem will die Partei eine Kommission, die die europaweite Einführung eines maximalen Abstands zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gehalt in einem Unternehmen prüft, errichten.

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Wirtschaft und Finanzen

Die Linke will ein EU-weit koordiniertes Zukunftsprogramm, das Investitionen am gesellschaftlichen Bedarf und nicht am Profit ausrichtet. Sie möchte durch mehr Investitionen und weniger Bürokratie kommunale und regionale Wirtschaftsprozesse sowie kleinere Unternehmen fördern und einen effektiveren wirtschaftlichen Ausgleich zwischen den Regionen schaffen (Kohäsionspolitik).

Investitionen sollen schwerpunktmäßig in strukturschwache Regionen gelenkt werden. Sie verlangt eine Stärkung der sozialen Dimension in der europäischen Wirtschaftspolitik.

Damit die einzelnen Staaten nicht mehr allein auf die Finanzmärkte angewiesen sind, müssten gemeinsame Euro-Bonds unter europäischer parlamentarischer Kontrolle eingeführt werden. Öffentliche Investitionen sollen die Staaten durch die EZB und ohne Schuldenbremse tätigen können.

Um ihre Pläne auch finanziell umzusetzen, will die Linke Wohlhabende und große Konzernen stärker besteuern.  Die Partei schlägt hier einen europäischen Mindeststeuersatz und eine Finanztransaktionssteuer von 0,1 Prozent vor. Außerdem sollen Maßnahmen gegen Steuerflucht greifen, so zum Beispiel eine Meldepflicht der Banken oder eine verbesserte Strafverfolgung.

Es dürfen künftig nur noch Steuern (zur Vermeidung doppelter Besteuerung) erstattet werden, wo diese wirklich gezahlt wurden. Kryptowährungen wie Bitcoin, die bei ihrer "Schürfung" große Mengen Strom verbrauchen, will die Linke verbieten.

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Wirtschaft und Finanzen

Die AfD sieht den Zweck der Europäischen Union primär darin, den Rahmen gemeinschaftlichen, europäischen Wirtschaftens zu gestalten und für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

Nach Auffassung der  AfD soll die EU keine Steuern erheben dürfen. Die AfD lehnt Steuern, insbesondere solche, die ausschließlich zur Finanzierung des EU-Haushalts dienen, ab.

Sie fordert von der EU umfangreiche Ausgabenkürzungen. Die Budgetplanung soll anstelle von sieben Jahren auf die jeweilige Wahlperiode des EU-Parlaments begrenzt werden. Eine EU-weite Harmonisierung von Unternehmenssteuern, sowohl bei der Bemessungsgrundlage wie auch bei den Steuersätzen, lehnt sie ab.

Neue Aufgaben der EU, die weitere Kosten verursachen, dürften nur dann angegangen werden, wenn diese Kosten durch Einsparungen an anderer Stelle des EU-Haushalts finanziert werden.
Zur Ausgabenreduzierung will sie die EU-Verwaltung verkleinern sowie den „Tourismus“ zwischen den drei Arbeitsorten Straßburg, Brüssel und Luxemburg beenden. Für alle Ausgaben und Subventionen sollen turnusmäßig Kosten- Nutzen-Analysen durchgeführt werden.

Für die AfD ist die weitere Mitgliedschaft in der Eurozone in der jetzigen Form für den deutschen Steuerzahler wegen der Eurorettung nicht zumutbar. Deutschland sollte eine nationalen Währung wie die DM, gegebenenfalls unter paralleler Beibehaltung des Euro, einführen. Der Euro ist nach Auffassung der AfD für ein Wirtschaftsgebiet mit derzeit 19 völlig unterschiedlich leistungsfähigen Volkswirtschaften eine Fehlkonstruktion.

Die AfD fordert die Durchsetzung der vertraglichen Verbote der Staatsfinanzierung durch die EZB und der Vergemeinschaftung der Schulden.

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Wirtschaft und Finanzen

Die FDP steht für eine Vielfalt der Steuersätze innerhalb der EU. Im Bereich der Unternehmensbesteuerung befürwortet sie allerdings eine einheitliche Bemessungsgrundlage für die Körperschaftsteuer. Dadurch würde die Höhe der Besteuerung in den einzelnen Mitgliedstaaten besser vergleichbar. Hingegen lehnt sie die Festsetzung von Mindeststeuersätzen innerhalb der EU ebenso ab wie die Zulässigkeit sogenannter Tax-Deals, mit denen große Unternehmen die Höhe ihrer eigenen Besteuerung mit den Behörden eines Mitgliedstaats individuell aushandeln können. Ermäßigte Umsatzsteuersätze sollen in den Mitgliedstaaten künftig nur noch für Leistungen erhoben werden, die einen Bezug zum materiellen und kulturellen Grundbedarf haben.

Die FDP hält am Verschuldungsverbot für die EU fest. Die Einführung von EU-Steuern lehnt sie ab. Der EU-Haushalt soll sich strikt danach ausrichten, einen europäischen Mehrwert für die Mitgliedstaaten zu liefern. Bei der Gewichtung der Ausgaben setzt sie sich dafür ein, die Mittel für Forschung, Innovation und Digitalisierung, Migrationspolitik sowie Außen- und Verteidigungspolitik zu erhöhen. Bei den Mitteln für die Agrarpolitik soll stärker auf Marktwirtschaft und weniger auf Bürokratie gesetzt werden.

Die FDP will den Euro als starke und stabile Gemeinschaftswährung sichern. Bei übermäßiger Verschuldung einzelner Mitgliedstaaten soll es automatisch Sanktionen gegen diese Mitgliedstaaten geben, die nicht politisch ausgehebelt werden können. Eine Vergemeinschaftung von Schulden, etwa in Form von Eurobonds, lehnt die FDP ab. Sie will das marktwirtschaftliche Prinzip „Bankenabwicklung statt Bankenrettung“ konsequent umsetzen. Die Auszahlung von Kohäsionsmitteln soll an die Einhaltung des Fiskalpakts durch den jeweiligen Mitgliedstaat geknüpft werden. Außerdem müssten weitere Sanktionen möglich sein, wie etwa die Aussetzung des Stimmrechts im Rat der Wirtschafts- und Finanzminister.

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Dossier: Eine kurze Geschichte des Euro

Symbolbild Euro © European Union - Source: EP, Jean-Luc Flemal

Vor 20 Jahren ging es los.

Am 1. Januar 1999 haben 11 Staaten den Euro als gemeinsame Währung eingeführt, zunächst aber nur im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Am 1.1.2002 kamen dann auch die neuen Scheine und Münzen in Umlauf. Heute wird in 19 EU-Staaten mit über 340 Millionen Bürgerinnen und Bürgern mit dem Euro bezahlt und er ist zur zweitwichtigsten Währung der Welt geworden.

Das ist ein kleines Stück Europa zum Anfassen und ein Symbol für die europäische Einigung.

Zehn Jahre nach der Euro-Einführung geriet die gemeinsame europäische Währung in der europäischen Finanzkrise jedoch in eine schwere Krise.

Dieser Stresstest hat deutlich gemacht, dass eine Währungsunion auch eine politische und wirtschaftliche Schicksalsgemeinschaft ist, die Solidarität und Verantwortung auf allen Seiten erfordert. Durch milliardenschwere Kreditzusagen und einzelne Reformen bei den Instrumenten der Wirtschafts- und Währungsunion gelang es der EU, ein Auseinderbrechen der Eurozone und ein Ausscheiden einzelner Euro-Staaten zu verhindern – wirklich überwunden ist die „Eurokrise“ aber noch nicht.

Nur wenn weitere Reformen (z.B. Vollendung der „Bankenunion“) umgesetzt sind, dann ist die Eurozone auch für künftige Krisen gewappnet.

Weiterführende Links

Sceenshot der Webseite zu 20 Jahre Euro der Europäischen Union

#EUROat20 - 20 Jahre EURO. Infos und Ausblick. Webseite der Europäischen Union

Autor: Dr. Martin Große Hüttmann, Universität Tübingen
Redaktion: Thomas Schinkel, Fachreferat Europa u. Internationales der LpB.
Überarbeitung: Internet-Redaktion der LpB, Stand März 2019

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Dossier: Der Binnenmarkt – das Herzstück der EU

Der europäische Binnenmarkt und seine Vier Freiheiten. Grafik: Bundeszentrale für politische Bildung, Lizenz: Creative Commons by-nc-nd/3.0/de

Die Europäische Union ist der weltweit größte, integrierte Binnenmarkt – größer als China und die USA.

Das gibt der EU eine enorme Wirtschaftsmacht, weil es für andere Staaten und internationale Unternehmen sehr attraktiv ist, in diesem Binnenmarkt mit 500 Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern Produkte und Güter, aber auch Dienstleistungen aller Art zu verkaufen.

Die Europäische Union kann wegen ihrer Marktmacht in vielen Bereichen hohe Standards des Verbraucherschutzes setzen, die dann auch international gelten.

Auf dem Gebiet des Datenschutzes werden zum Beispiel die europäischen Normen und Werte als Gold-Standard gesehen, an denen sich auch die größten globalen Unternehmen orientieren müssen.

Weiterführender Link:
Kurz und verständlich: Fragen und Antworten zum Binnenmarkt in Europa (Bundesregierung.de)

Der Europäische Binnenmarkt. Grafik Erläuterung "Die vier Freiheiten" (Bundeszentrale für politische bildung, www.bpb.de)

 

 

Autor: Dr. Martin Große Hüttmann, Universität Tübingen
Redaktion: Thomas Schinkel, Fachreferat Europa u. Internationales der LpB.
Überarbeitung: Internet-Redaktion der LpB, Stand März 2019

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LpB-Dossier: Euro-Krise

 

Die Staatsschuldenkrise der Euroländer lenkt den Blick auf Europa. Die Lösung der Krise erfordert dabei weitreichende wirtschafts- und gesellschaftspolitische Entscheidungen in der EU und in den Euro-Mitgliedstaaten.
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LpB-Dossier: Finanzkrise Griechenland

 

Überblick über die Finanzkrise in Griechenland
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